Wisst Ihr eigentlich… mein Leben mit meinem außergewöhnlichen Sohn

 

Wisst Ihr eigentlich…

wie es ist, seit dem 4. Lebensjahr durchgehend gemobbt zu werden? Ausgelacht zu werden? Oder einfach nur gemieden zu werden?

wie es ist, wenn man noch nie echte Freunde im Leben hatte?

 wie es ist, wenn man sein bisheriges Leben lang absolut missverstanden wird?

wie es ist, wenn man ständig Tests machen muss?

sich einfach eine neue Chance zu wünschen, sie aber nicht zu kriegen, weil die anderen Menschen total verbohrt sind?

wenn Euch einfach niemand versteht, sogar Eure eigenen Eltern nicht?

wie es ist, wenn Menschen über Euch sagen, Ihr seid Monster? Potentielle Amokläufer?

wie es ist, wenn Menschen über Euch sagen, dass es besser wäre, man schließe Euch weg?

wie es sich anfühlt, vor einer wirklich wichtigen Prüfung zu stehen, deshalb nicht schlafen zu können, ständig auf die Toilette zu müssen vor Aufregung, die nassen Hände, nicht ruhig sitzen zu können, geschweige denn stehen? Und nun stellt Euch dieses Gefühl 24 Stunden des Tages vor.

So fühlt sich mein Kind.

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Und wisst Ihr eigentlich,…

wie es ist mit einem Kind mit einer psychischen Krankheit zu leben?

wie es ist, wenn Ihr nur wissen wollt, was Euer Kind hat und es einfach keine Diagnose gibt?

wie es ist, wenn Ihr 9 Jahre lang von Klinik zu Klinik, von Therapie zu Therapie reist, weil Ihr eigentlich nur wissen wollt, was Euer Kind hat?

 wie es ist, wenn das Kind jeden Tag weint, weil es Freunde haben will? Und das seit Jahren?

 wie es ist, wenn das Stück Herz, dass Ihr mehr liebt wie Euch selbst, zusammenbricht unter der Gesellschaft?

wie es ist, wenn Ihr der einzige Mensch seid, der Einblick in das Seelenleben dieses Kindes hat?

wie es ist, wenn alle auf Euch und dem Kind rumhacken, Euch als schlechte Mutter betiteln, Euch als einzige Hilfe Fremdbetreuung angeboten wird, obwohl Ihr doch klarkommt und Euch nur mal ausgeheult habt?

wie es ist, wenn Euch das Kind durch die Finger gleitet, es Dinge auslöst, die nicht aufhaltbar sind?

wie es ist, wenn Ihr ein Kind habt, dass einer tickenden Zeitbombe gleicht?

wie es ist, wenn Ihr jeden Tag Angst haben müsst, wenn das Telefon klingelt, weil vielleicht wieder etwas Schlimmes passiert ist? Und das nun seit über einem Jahr? Jeden VERDAMMTEN Tag?

wie es ist, wenn Ihr Euer eigenes Kind nicht versteht? Nicht versteht, was es fühlt, was in ihm vorgeht?

wie es ist, wenn Ihr Euer Kind nicht mitnehmen könnt, weil Ihr nicht genau wisst, was da auf Euch zukommt, weil es eventuell mit der Situation nicht umgehen kann? Zum Beispiel in ein Museum? Ganz alltägliche Dinge?

wie es ist, wenn Ihr Eurem Kind Medikamente geben müsst, die dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen und Ihr in jeder Apotheke komisch angeschaut werdet? Und ab da in keiner der Apotheken je wieder anders angeschaut werdet?

wie es ist, von anderen Eltern oder Lehrern behandelt zu werden, als ob man das gerne tut? Als ob man aufgegeben hätte?

wie es ist, von anderen Klugscheißer-Eltern sich anhören zu müssen, dass vielleicht die Dosis nicht stimmt? Oder dass es psychische Krankheiten garnicht gibt, man sich die nur einbildet?

wie es ist, wenn von ganz vielen Menschen ganz tolle Tipps kommen wie: Der muss nur richtig erzogen werden?

wie es ist, wenn Euer Kind jede Nacht schreiend aufwacht und sich kaum noch beruhigen lässt, weil es das, was es in einer psychiatrischen Klinik gesehen und erlebt hat noch immer am Verarbeiten ist?

wie es ist, wenn Euer Kind, wenn es angespannt ist, keine Sekunde still stehen kann, aggressiv dadurch wird, weil es das nicht will? Es zappelt bis zur totalen Erschöpfung?

wie es ist, wenn Euer Kind unter seiner Impulsivität leidet, sich sehr schämt aber sie einfach nicht in den Griff kriegt?

wie es sich anfühlt, wenn Ihr Euch wünscht, dass Euer Kind eine Krankheit hätte, die man ihm ansieht oder die man wenigstens diagnostizieren kann?

wie es ist, wenn Ihr Tag für Tag, 365 Tage im Jahr, stark sein müsst, Euch nichts anmerken lassen sollt, denn es interessiert sowieso keinen?

was in Euch vorgeht, wenn Ihr jeden Abend weinend zusammenbrecht?

wie es ist, wenn Ihr Angst habt, das Kind mal bei der Oma zu lassen, weil Ihr wisst, diese kann damit nicht umgehen?

wie es ist, wenn Ihr von niemanden mehr eingeladen werdet, weil andere einfach keine Lust haben, sich mit einem Kind „dieser“ Art abzugeben?

wie es ist, wenn Euer Kind nie zu einem Geburtstag eingeladen wird?

wie es ist, wenn Euch ständig gesagt wird, dass man alles falsch macht? Und Erwartungen an Euch gestellt werden, an der andere gnadenlos zerbrechen würden, Ihr aber einfach keine andere Wahl habt?

wie es ist, wenn Ihr Euer Kind in der psychiatrischen Klinik besucht, abholt oder hinbringt und Euch ANDERE Kinder anschaut, die sich selbst verletzen, weglaufen, fast tot hungern, Suizid gefährdet sind und einfach nur an unserer Gesellschaft zerbrechen? Und dann das Gefühl, diesen (allen) Kindern einfach nur helfen zu wollen, es aber nicht können?

wie es ist, festzustellen, dass das eigene Kind zu diesen Kindern gehört?

wie es sich anfühlt, wenn Euer Kind sich wünscht, nicht mehr zu leben und dies täglich äußert?

wie es ist, wenn jeder Tag eine Zitterpartie ist?

wie es ist, wenn man sich bei anderen ausheulen will, diese aber dann kein Verständnis haben oder nur über ihre eigenen Probleme und Sorgen reden wollen? So dass man das Gefühl hat, dass man Krankheitspoker spielt? Oder einen Konkurrenzkampf darüber führt, welcher die schlimmere Macke hat?

wie es ist, wenn der Gedanke an Hausaufgaben Euch einen Schauder über den Körper jagt, weil Ihr wisst, dass der Nachmittag wieder komplett aus Diskussionen und stundenlangem Sitzen am Tisch besteht, wenn andere mit ihren Kindern draußen sind und Spaß haben?

wie es ist, wenn man vom eigenen Kind angeschrieen und beleidigt wird? Und trotzdem Verständnis dafür zu haben, weil man weiß, dass es einfach nur den Druck ablässt, den es den ganzen Tag aufbaut durch die Fakten?

wie es ist, wenn Ihr einfach nicht mehr weiterwisst?

Dann denkt mal drüber nach…

Eure Bea.

P.S.:

Wisst Ihr eigentlich…

wie es ist, auf echte Menschen zu treffen, die Euch verstehen? Die Euch einfach nur zuhören, einfach nur für Euch da sind? Selbst wenn sie Euch nicht verstehen oder die Situation nicht einschätzen können? Oder selbst in der Situation sind und dann hemmungslos mit Euch heulen? DAS SIND DIE WAHREN SCHÄTZE! Danke. dass es Euch gibt!

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38 Kommentare zu „Wisst Ihr eigentlich… mein Leben mit meinem außergewöhnlichen Sohn

Gib deinen ab

  1. Oh man… ich heul gleich 😦

    Ich wünsche dir viel Kraft. Bitte mach weiter, bitte bleib so, wie du bist.
    Höre nicht auf andere, denn nur du weißt, was für deinen Sohn gut ist.

  2. Puh … da hast Du Dir aber mal Luft gemacht! Zu recht! Es wäre interessant die ganze Geschichte dahinter zu kennen. Erstaunlich, was man als Mutter zu leisten fähig ist, oder? Hätte man früher nie gedacht …

    herzliche Grüße,
    Verena

  3. Das gibt einem wirklich zu denken. Ich kann dich verstehen, auch wenn ich nie in so einer Situation war, aber ich arbeite mit einem Schwerst-Mehrfachbehinderten (ich hasse dieses Wort) Mann, der nun 30. Jahre alt ist und auf dem stand eines vierjährigen ist. Er kann sich nicht ausdrücken und ist bisher sehr oft missverstanden worden. Ich kenne die Geschichte seiner Familie, seiner Mutter, deren Ehe die darunter zerbrochen ist, der Vater, der dem Sohn die Schuld dafür gibt… Es ist bei Gott nicht einfach sowas durch zu machen und ich wünsche es keinem, dennoch ziehe ich den Hut vor dir Bea, und jedem der es durchhält und jeden Tag aufs neue die Kraft schöpft diesen kleinen-großen doch so wundervollen Menschen zu helfen, sie zu lieben und ihnen die Nähe und Zuversicht zu geben, die sie für ihr Leben brauchen. Auch wenn es mal besser und mal schlechter funktioniert!

    Liebe Grüße
    Sarah

  4. Liebe Bea! Ich kann nur ungefähr nachvollziehen wie es dir geht und deinem Sohn. Ich wurde selbst jahrelang gemobbt, ausgegrenzt und hatte kaum Freunde. Meine Eltern wurde von Klugscheißer Eltern belehrt und auch ich wurde nicht nur einmal darauf aufmerksam gemacht, dass ich falsch auf der Welt bin.

    Ich kann mir also ungefähr vorstellen, wie es dir geht. Ich finde es toll, dass du das hier aufschreibst, das ist bestimmt auch ein wenig Therapie für dich und ich hoffe, dass du bald noch mehr Menschen findest, die dich verstehen, die euch verstehen und die dir ein wenig helfen können.

    Alles Liebe,
    Julia
    https://www.missfinnland.at

    1. Es geht mir auch um die Aufklärung, denn viele trauen sich nicht, darüber zu reden. Ich will auch das Gefühl vermitteln, dass sie nicht alleine sind. Mir tut es sehr leid, dass es Dir so erging. Ich drück Dich ♥️

  5. Liebe Bea, so wie es aussieht hast du eine echte Aufgabe im Leben bekommen. Ich selbst kenne einige Aussagen in deinem Beitrag aus eigener Erfahrung. Ich wurde als Kind auch gemoppt, wuchs in einer starken Alkoholiker Familie auf und hatte schwere Depressionen die mich dann fast das Leben gekostet haben.

    Ich bin mir sicher, dass du ein sehr starker Mensch bist und mit dieser Härte des Lebens gut umgehen kannst, so wie es nur die wenigsten könnten.

    Ich habe aus dem Beitrag leider nicht raus gelesen an was für einer Krankheit dein Sohn leidet.

    Ich würde dir gerne helfen, weiß aber im Moment selbst nicht wie. Ich biete dir gerne an uns regelmässig auszutauschen, oft hilft es auch einfach wenn man jemanden hat der einem einfach nur zuhört ohne zu urteilen.

    Meine E-Mail Adresse findest du ja auf meiner Homepage.

    Lg Silviu

    http://www.silviu-reghin.com

    1. Lieber Silviu, vielen Dank für Dein Angebot! Ich weiß das zu schätzen. Mein Sohn hat keine Diagnose, deshalb steht da nichts. Ich sag mal, er hat ADHS, eine auditive Wahrnehmungsstörung und keinerlei soziale Kompetenz. Er hatte diese Diagnosen schon mal, wurden aber wieder revidiert. Liebe Grüße, Bea

  6. Dein Text macht einen echt traurig. Finde ich sehr rührend geschrieben.
    Es ist traurig, wenn man selber oder das eigene Kind ausgeschlossen wird. Wenn das Kind schon so jung solch leid erfahren muss, macht mich das verhalten mancher Mitmenschen echt wütend.
    Da frag ich mich, was in den Köpfen mancher los ist. Soll sich jeder selber in die Lage versetzen…

    Ich wünsche euch weiterhin alles liebe, viel Kraft.
    Alles liebe

  7. Das tut mir wirklich leid das dein Sohn eine psychische Krankheit hat. Ich finde es wirklich sehr traurig das solche Kinder dann von anderen ausgegrenzt werden. Ich hoffe das es doch noch besser wird. Ich wünsche dir und deinem Sohn alles gute.

    LG Jasmin

  8. Deine Worte geben einem wirklich zu denken. Aber es gibt tatsächlich Menschen, die absolut Verständis für eure ‚Situation‘ haben . für dich und natürlich deinen Sohn. Ich glaube, es sollte nur viel mehr darüber gesprochen und aufgeklärt werden, denn viele wissen es einfach nicht besser. Ich wünsch euch vom Herzen alles Gute 🙂

    Liebe Grüße
    Nadine von tantedine.de

  9. Liebe Bea, danke für diesen ehrlichen Beitrag. Danke für deinen Mut zu sagen was du denkst und wie es euch tagtäglich geht. Genau solch ein Verhalten hasse ich an Menschen. Manche wissen gar nicht was sie anderen damit antun. Alle schauen hin aber keiner schaut richtig hin. Traurig aber wahr. Wie furchtbar für ein Kind. Ein kleiner Mensch der nicht verstanden und sogar noch beschimpft wird. Ich kann es gar nicht fassen.

    Ich wünsche euch alles Gute

    Liebe Grüße Dany von danyalacarte.de

  10. Liebe Bea. Ich musste schon sehr oft schlucken. Ja teils weiß ich wie du und ihr euch fühlt aus meiner eigenen Vergangenheit, mit Mobbing, nicht verstanden werden, wenn man reden möchte und keiner hört einem zu, wenn man immer für andere da ist aber andere sind es nicht für dich, dass psychische Krankheiten in unserer Gesellschaft tabu sind und jeder funktionieren soll,… Aber so wie dein Sohn diese Situation bereits schon sein ganzes Leben aushalten zu müssen… Unvorstellbar!
    Meinen Respekt an euch als Eltern und auch an deinen Sohn… Ich drücke euch unbekannterweise ganz fest. Magdalena

  11. Ich kann das sehr gut verstehen liebe Bea, da ich täglich erlebe was meine Tochter mit ihrem Sohn durchmacht, der unter ADHS leidet. Ich finde es ganz schrecklich wie die Menschen, besonders Lehrer mit solchen Kindern umgehen.
    Liebe Grüße
    Sigrid

  12. Liebe Bea, mir ist das Herz ganz schwer geworden, als ich deinen Beitrag gelesen habe. Was für eine schwere Bürde für Euch beide. Fühl dich einfach mal herzlich umarmt und dein Sohn gleich mit!
    Claudia ❤️

  13. Danke für deinen aufrüttelnden und ehrlichen Beitrag! in Ansätzen kann ich das nachvollziehen, wir hatten hier Selbstverletzungen, aber das war nur eine Zeit, wo wir die Auslöser wir ändern konnten, aber dieses Gefühl das du beschreibst dieses Hilflose, doch starkbleiben müssen, war da ähnlich. ich wünsche euch ganz viel Kraft und hoffe das dein Sohn seinen Platz finden wird.

    Lg aus Norwegen
    Ina

  14. Sehr „schöner“ Beitrag. Der Inhalt ist natürlich eher belastend, aber ich finde du hast es genau auf den Punkt gebracht wie du dich fühlst, dass schafft nicht jeder.
    Ich habe meine Diagnose erst vor 4 Jahren bekommen und ich wusste jahrelang dass mit mir etwas nicht stimmt, aber es wurde nie gezielt untersucht. Ich wusste nur dass ich anders bin und etwas habe.
    Allein dieses Wissen was man hat, ist so entlastend auch wenn der Weg dann erst losgeht. Ich finde es so schön von dir, dass du deinen Kleinen da so stark unterstützt. Die Unterstützung und das Verständnis hat mir leider gefehlt aus dem Umfeld.

    Liebe Grüße Anni von https://hydrogenperoxid.net

  15. Krasse Geschichte! Das tut mir so leid für euch, dass ihr so ein schweres Schicksal zu tragen habt! Ich habe allerdings noch nicht verstanden, wie genau sich seine Krankheit auf seinen Alltag auswirkt, was er dadurch tut, womit die anderen nicht klar kommen. Aber ich wünsche euch auf jeden Fall gute, echte Freunde, die für euch da sind, euch Kraft spenden und mit euch Freude teilen! GLG Sandra von voceandich.de ❤

    1. Mein Sohn hat nie soziale Kompetenz gelernt, weil er einfach gemieden wurde. Er ist stark frustriert dadurch und das zeigt er aggressiv. Sein Alltag ist stark eingeschränkt, er wird nie eingeladen, kann sich nicht mit Freunden treffen, eben ein normales Leben führen. Wenn er auf andere Eltern trifft wird er beschimpft.

  16. dieser Beitrag ist nochmal so beeindruckend und auch ergreifend meine liebe Bea!
    ich glaube nur wenge Mütter, nur wenige Menschen überhaupt, können sich vorstellen wie das wirklich ist …

    ich kann mir nur vorstellen, was für eine Bereicherung es ist, auf andere zu treffen, die einen auch verstehen! gut, dass es diese Menschen gibt 🙂

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com
    Liebe was ist auf Instagram

  17. Ein beeindruckender Beitrag, der zum Nachdenken anregt. Tatsächlich kennen wohl die wenigstens diese Situation. Umso schöner, wenn es Menschen gibt, die einen unterstützen oder einfach nur für einen da sind. Ich wünsche alles Gute 🙂

    Liebe Grüße
    Sarah

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